Yin und Yang / 5 Elemente - China-XXL

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Wie China die Welt sieht
Yin und Yang - Einführung in die Fünf Elemente

Nach der taoistischen Weltsicht stand am Anfang die große Leere, auch als "Nicht-Anfang" bezeichnet. Dieser Zustand ging dem "Ursprung" voraus, der die Vielfalt aller Dinge umfasst und auch als der "große Zustand des undifferenzierten Seienden" bezeichnet wird. Aus ihm entstand nicht nur das Universum, die Welt und alle 10.000 Dinge, sondern auch das Prizip des Yin und Yang und die Fünf Elemente Wasser, Feuer, Holz, Metall und Erde. Das Symbol für Yin und Yang verkörpert die Polaritäten der Welt, die eine unzertrennliche Einheit bilden und sich gegenseitig hervorbringen und bedingen. Dies bedeutet: ohne Schlecht kein Gut, ohne Dunkel kein Licht, ohne Bewegung keine Ruhe. Nach dem traditionellen Verständnis steht Yang für das Männliche, das Helle, die Sonne, das Gebende und die Bewegung; Yin hingegen wird mit dem Weiblichen, dem Dunklen, dem Mond, dem Empfangenden und der Ruhe gleichgesetzt. Yin und Yang befinden sich in einem stetigen Kreislauf, in dem sich beide Pole in ihrer Stärke abwechseln. So muss nach einer Phase der Bewegung, eine Phase der Ruhe folgen. Dieses Verständnis ist ein wichtiges Element der chinesischen Weltsicht und der Ethik des Mittelmaßes. Ein guter Kaiser etwa hatte das Volk darin zu versichern, dass auf ein Jahr schlechter Ernte wieder ein gutes Jahr folgt. Gleichzeitig sollten nach einem guten Erntejahr Reserven für ein Jahr mit schlechten Erträgen angelegt werden. Der Glaube an den stetigen Wandel von bewegten und ruhigen Zeiten ließ die Chinesen in ihrer 6000 jährigen Geschichte Zeiten der Unruhe, Umwälzungen und des Elends mit erstaunlicher Geduld ertragen.

Dem Menschen - und insbesondere dem Herrscher - kommt in diesem Gefüge aus taoistischer Sicht eine wichtige Rolle zu. Bereits in den Vorstellungen des konfuzianischen Philosophen Dong Zhongshu aus dem 1. Jhd. v. Chr., regiert der Himmel auf die Taten der Menschen und Herrscher. Richtige Entscheidungen konnten sich in einer guten Ernte auswirken; bei falschen hingegen hatte das Land mit Umweltkatastrophen zu rechnen. Um den Himmel gut zu stimmen und für Harmonie zwischen Mensch und Himmel zu sorgen, brachten die chinesischen Kaiser Ernteopfer dar und ließen sich vor wichtigen Entscheidungen von einem Hof-Astrologen beraten.

Der Prozess des Wandels definiert sich jedoch nicht nur über die Polarität von Yin und Yang, sondern auch über die Fünf Elemente. Diese befinden sich in einer ständigen zeugenden und zehrenden Bewegung, die sich auf die Umwelt auswirkt. Die Fünf Elemente bewirken einen zyklischen Ablauf, der im organischen Bereich, im menschlichen Körper, aber auch in der Politik und der Wirtschaft gültig ist. Im gesamten Wachstumszyklus nährt Wasser Holz, Holz nährt Feuer, die Erde wird durch die Asche des Feuers bereichert und bringt Metall hervor, Metall wiederum produziert Wasser. Sind alle Elemente gleich stark und der Lauf der Energie Qi nicht gestört, wird ein Idealzustand der Harmonie erreicht. Kann das Qi jedoch nicht frei fließen, kommt es im Kreislauf zu Blockaden. Das jeweilige Element holt sich die Kraft vom anderen, wodurch dieses geschwächt wird. Das Gleichgewicht der Fünf Elemente ist darum für einen gesunden Körper ebenso wichtig wie für das Regieren eines Landes oder das Führen eines Unternehmens.

Die Fünf-Elemente-Lehre findet sich auch in der sogenannten natürlichen Welt, zu der in China die Fünf Geschmacksrichtungen (sauer, bitter, süß, scharf, salzig), die Fünf Jahreszeiten (Frühling, Sommer, Mittsommer, Herbst, Winter) und die Fünf Witterungen (Wind, Hitze, Feuchtigkeit, Trockenheit, Kälte) gehören. Ebenso bezieht sie sich auf den menschlichen Körper, etwa auf die Fünf Sinne (sehen, sprechen, schmecken, riechen, hören) und die Fünf Gefühle (Zorn, Freude, Verlangen, Trauer, Furcht). Darüber hinaus steht die Zahl 5 im Konfuzianismus für die Fünf Tugenden (Humanität, Pflichtgefühl, Weisheit, Zuverlässigkeit, Teilnahme an gesellschaftlichen Zeremonien) und die Fünf menschlichen Beziehungen (Vater-Sohn, Fürst-Diener, Mann-Frau, älterer Bruder-jüngerer Bruder, Freund-Freund).

Die Zahlen 2 und 5 sind für ein Verständnis der chinesischen Kultur unerlässlich. Ebenso wichtig ist eine Auseinandersetzung mit der Theorie des Feng Shui ("Wind und Wasser"), die ebenfalls Bestandteil der taoistischen Harmonielehre ist, nach der der Mensch mit der Natur im Einklang leben soll. Sie beinhaltet verschiedene Wissenschaften, wie Mathematik, Astronomie und Geologie, und ist Ausdruck eines ganzheitlichen Ansatzes zum Verständnis der Welt und ihrer Gesetzmäßigkeiten. Ein Haus, ein Zimmer oder ein Garten nach den Regeln des Feng Shui zu gestalten, bedeutet so viel wie "die Geister der Luft und des Wassers geneigt zu machen" oder auch die Lebensenergie Qi vor dem Wind zu schützen und mit dem Wasser zu beeinflussen. Für ein harmonisches Umfeld sind auch beim Feng Shui die Fünf-Elemente-Lehre sowie Yin und Yang zu beachten. Zudem spielen die Auswirkungen von Formen, Farben, Klängen und die geographische Ausrichtung eines Gebäudes auf den Menschen eine große Rolle.

Noch heute ist der universelle Ansatz des Feng Shui bei der Planung von Gebäuden als auch der Inneneinrichtung für Chinesen überaus bedeutsam. So findet man nicht nur in historischen Städten wie Beijing, Xi'An oder Pingyao zahlreiche Hinweise für das große und harmonische Ganze, sondern auch in der modernen Architektur. Man braucht nur ein Auge für das Detail!

Text aus China REISEN 2018 der CAISSA Touristik
 
 
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